Die Fortpflanzungs-Weltmeister

Die Fortpflanzungs-Weltmeister

Türkise Prachtgrundkärpflinge sind in Pfützen in der afrikanischen Savanne beheimatet – nicht gerade die Rahmenbedingung für ein langes Leben. Daran haben sie sich auf außergewöhnliche Weise angepasst.

Türkise Prachtgrundkärpflinge führen ein eigenartiges Leben. Den größten Teil ihres Daseins verbringen sie in ausgetrockneten Mulden der afrikanischen Savanne. Dort warten sie in Eiern als Embryonen auf den nächsten Regen, umgeben von einer Schutzhülle, um die lange Trockenheit auszuhalten.

Füllen sich die Mulden mit Regenwasser, schlüpfen die Fische und wachsen innerhalb kürzester Zeit heran, um selbst Nachkommen zu produzieren. Die wieder als Embryonen auf den nächsten Regen warten.

Tschechische Wissenschaftler haben nun festgestellt, dass die kleinen Fische Rekordhalter sind. Innerhalb von zwei Wochen können sie in der Wildnis von fünf Millimeter auf fünf Zentimeter anwachsen und geschlechtsreif werden. So schnell ist sonst kein Wirbeltier, schreiben die Forscher im Fachblatt „Current Biology“.

Die Wissenschaftler beobachteten insgesamt acht Pfützen in Mosambik, die unterschiedlich schnell austrockneten. Doch selbst in der Mulde, in der nur für 20 Tage Wasser stand, schafften es die Fische, sich fortzupflanzen und die nächste Generation zu sichern.

Unter Laborbedingungen dauert es meist drei bis vier Wochen, bis die türkisen Prachtgrundkärpflinge geschlechtsreif sind. In manchen Versuchen brauchten die Fische sogar zehn Wochen bis zur Geschlechtsreife.

Flexible Fortpflanzung

Türkise Prachtgrundkärpflinge gehören zu den eierlegenden Zahnkarpfen, auch Killifische genannt, und werden bis zu sechs Zentimeter groß. Sie kommen in Mosambik und Simbabwe vor und leben in Tümpeln und Mulden, die nur zeitweise Wasser führen. Wegen ihrer Färbung sind sie beliebte Zierfische in Aquarien.

Foto: M. Reichard

Für Wissenschaftler sind türkise Prachtgrundkärpflinge ein idealer Modellorganismus in der Altersforschung. Das liegt daran, dass die Fische eine sehr kurze Lebensspanne haben. Schon mit drei Monaten zeigen sie deutliche Alterserscheinungen, im Labor überleben sie vier bis sechs Monate.

In der Wildnis leben die türkisen Prachtgrundkärpflinge nur so lange, wie es die Mulden erlauben. Dementsprechend müssen sie sich schneller fortpflanzen als im Labor. Die Forscher schließen daraus: Die Fische können ihre Geschlechtsreife stark an die Bedingungen anpassen. Sie reagieren auf Populationsdichte und verfügbare Ressourcen in ihrer Umgebung.

Wirbeltiere nutzen diese Strategie normalerweise nicht. Doch für die türkisen Prachtgrundkärpflinge ist dieses Warten ein optimaler Weg, sich an die unberechenbaren Gegebenheiten afrikanischer Pfützen anzupassen.

Spiegel online August 2018

lpu

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